Mit dem PPMB-Modell Verhalten im Coaching genauer verstehen

Das PPMB-Modell erklärt Verhalten aus Sicht der Neurowissenschaft und liefert praktische Coachingfragen und Tools für Coaches.

Mit dem PPMB-Modell Verhalten im Coaching genauer verstehen

Warum verändert sich ein Verhalten nicht, obwohl Deine Klientin oder Dein Klient das eigene Muster längst verstanden hat? Diese Frage begegnet vielen Coaches in ihrer täglichen Arbeit. Das PPMB-Modell bietet Dir eine zusätzliche Perspektive, mit der Du nicht nur die sichtbare Reaktion, sondern auch die vorhergehenden Prozesse untersuchen kannst.

Das Modell verbindet neurowissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Coachingfragen. Dadurch wird ein komplexer Vorgang verständlich, besprechbar und praktisch nutzbar.

Warum bekannte Verhaltensmuster bestehen bleiben

Menschen können ein Muster oft sehr genau beschreiben. Sie wissen beispielsweise, dass sie in Konflikten schweigen, in Besprechungen nervös werden oder unter Druck besonders schnell reagieren. Dieses Wissen ist wichtig. Es führt jedoch nicht automatisch zu einer Veränderung.

Ein Grund liegt darin, dass das sichtbare Verhalten nicht am Anfang des Prozesses steht. Es bildet vielmehr das Ende einer Kette, die bereits vorher begonnen hat. Große Teile dieser Kette laufen schnell und ohne bewusste Steuerung ab.

Unser Gehirn verarbeitet nicht nur das, was gerade geschieht. Es erstellt fortlaufend Vorhersagen darüber, was wahrscheinlich passieren wird. Dabei greift es auf frühere Erfahrungen, gespeicherte Überzeugungen und bereits bekannte Situationen zurück. Durch diese Vorhersagen kann der Mensch schnell reagieren und mit einer großen Menge an Informationen umgehen.

Die Vorhersage beeinflusst auch den Körper. Atmung, Herzschlag, Muskelspannung und Aufmerksamkeit verändern sich möglicherweise schon, bevor die Person bewusst bemerkt, dass sie angespannt ist. Anschließend bewertet das Gehirn die körperlichen und äußeren Signale. Aus dieser Bedeutung entsteht schließlich das Verhalten.

Wie das PPMB-Modell die Verhaltenskette sichtbar macht

PPMB steht für Prediction, Preparation, Meaning und Behaviour. Die vier Begriffe beschreiben eine Abfolge aus Vorhersage, Vorbereitung, Bedeutung und Verhalten.

  1. Das Gehirn erstellt eine Vorhersage darüber, was wahrscheinlich geschehen wird.
  2. Der Körper bereitet sich auf das erwartete Ereignis vor.
  3. Das Gehirn gibt den körperlichen und äußeren Signalen eine Bedeutung.
  4. Aus dieser Bedeutung entwickelt sich das sichtbare Verhalten.

Ein Beispiel zeigt, wie sich das Modell im Coaching einsetzen lässt. Eine Klientin betritt eine Besprechung und spürt sofort starke Anspannung. Sie redet ungewöhnlich viel, kann anderen kaum zuhören und ärgert sich später über ihre Reaktion.

Ohne das PPMB-Modell könnte das Coaching direkt beim Verhalten ansetzen. Die Klientin könnte überlegen, wie sie in der nächsten Besprechung ruhiger spricht, bewusster zuhört oder Pausen einlegt. Solche Maßnahmen können hilfreich sein. Sie berücksichtigen jedoch noch nicht, was die Reaktion vorbereitet hat.

Mit dem PPMB-Modell fragst Du früher in der Kette. Vielleicht hat das Gehirn der Klientin vorhergesagt, dass ihre Kompetenz infrage gestellt wird. Daraufhin hat sich ihr Körper auf eine Bedrohung vorbereitet. Der Herzschlag ist gestiegen und die Aufmerksamkeit hat sich verengt. Die Klientin hat diese Signale als Beweis dafür bewertet, dass die Situation tatsächlich gefährlich ist. Aus dieser Bedeutung ist das schnelle und ausführliche Sprechen entstanden.

Eine zentrale Coachingfrage kann deshalb lauten: Welche Vorhersage hat Dein Gehirn bereits getroffen, bevor Du die Anspannung bemerkt hast? Eine weitere Frage wäre: Welche Bedeutung hast Du den körperlichen Signalen gegeben?

So nutzt Du den Ansatz in Deinen Coachinggesprächen

Das PPMB-Modell ersetzt keine bestehenden Coachingmodelle. Es ergänzt sie um einen neurobiologischen Rahmen. Du kannst es mit Methoden zur Arbeit an Überzeugungen, Emotionen, Entscheidungen oder inneren Konflikten verbinden.

Für die praktische Anwendung ist es sinnvoll, die vier Stationen nacheinander zu untersuchen. Beginne mit einer konkreten Situation und vermeide allgemeine Aussagen wie „Ich bin immer unsicher“. Frage stattdessen nach einem bestimmten Moment, in dem das Verhalten aufgetreten ist.

  1. Beschreibe gemeinsam die Situation und das beobachtbare Verhalten so konkret wie möglich.
  2. Untersuche die körperliche Vorbereitung und die vorausgehende Erwartung.
  3. Prüfe, welche Bedeutung die Person den Signalen und der Situation gegeben hat.

Im nächsten Schritt kann Deine Klientin oder Dein Klient eine alternative Vorhersage entwickeln. Dabei geht es nicht darum, eine schwierige Situation schönzureden. Ziel ist eine realistische Einschätzung, die weitere Reaktionsmöglichkeiten eröffnet.

Aus der Vorhersage „Ich werde bestimmt kritisiert“ könnte beispielsweise die Annahme werden: „Es können kritische Fragen kommen, und ich kann mir Zeit für meine Antwort nehmen.“ Diese veränderte Erwartung kann die körperliche Vorbereitung beeinflussen und damit auch die spätere Reaktion.

Tools für Coaches zur Vertiefung der Reflexion

  • PPMB-Fragen – machen Vorhersage, Vorbereitung, Bedeutung und Verhalten einzeln besprechbar.
  • Körperlandkarte – unterstützt Klientinnen und Klienten dabei, körperliche Signale frühzeitig wahrzunehmen.
  • Methodenkarten für alternative Vorhersagen – helfen dabei, realistische und handlungsfähige Perspektiven zu entwickeln.

Auch in der Moderation von Gruppen kann das Modell nützlich sein. Teilnehmende lernen, Reaktionen nicht vorschnell als feste Persönlichkeitseigenschaft zu bewerten. Stattdessen können sie untersuchen, welche Erfahrungen, Erwartungen und körperlichen Prozesse an einer Situation beteiligt waren.

Neurowissenschaft für die Coachingpraxis

Die Weiterbildung Selbstbeherrschung durch Neurowissenschaften vermittelt diese und weitere Zusammenhänge in fünf live durchgeführten Online-Sitzungen. Du lernst, wie Überzeugungen Emotionen, Gedanken und Verhalten beeinflussen und wie sich diese Kreisläufe mit verständlichen Fragen und Übungen bearbeiten lassen.

Begleitet wird die Weiterbildung von Ayca Szapora, Neurowissenschaftlerin und kognitive Psychologin, sowie Willem Royaards, Master Neuroplastician und Executive Coach. Die Verbindung aus Wissenschaft und Coachingpraxis erleichtert die Übertragung in konkrete Sitzungen.

Die Weiterbildung ist von der ICF anerkannt und umfasst zehn CCE-Punkte. Fünf Punkte werden für Core Competencies und fünf für Resource Development angerechnet. Im Jahr 2026 sind ein englischsprachiger Durchgang im September und Oktober sowie ein niederländischsprachiger Durchgang im Oktober und November vorgesehen.

Welche Vorhersage könnte hinter einem Verhalten stehen, das Dir in Deinen Coachings regelmäßig begegnet? Diese Frage kann der Ausgangspunkt für eine Reflexion sein, die deutlich früher beginnt als das sichtbare Verhalten.

Weiterlesen

Wählen Sie Ihre Währung

Es scheint, dass Sie an unserer Site interessiert sind. Abonnieren Sie daher vor Ihrer Abreise direkt unseren Newsletter.