Journaling im Coaching: Schreibimpulse für Deine Klienten und für Dich
In der Sitzung kippt etwas. Deine Klientin sieht ihr Muster zum ersten Mal klar, und Du spürst, dass dieser Moment trägt. Zwei Wochen später fragst Du nach, und sie erinnert sich nur noch vage. Die Einsicht war echt. Sie hatte nur keinen Ort zum Bleiben.
Die Lücke zwischen zwei Terminen
Zwischen zwei Sitzungen liegen oft vierzehn Tage. In dieser Zeit passiert das eigentliche Leben Deiner Klientin, und genau dort müsste die Erkenntnis sich bewähren. Stattdessen verblasst sie, weil nichts sie festhält.
Das Gedächtnis arbeitet gegen Dich. Wir erinnern das Ergebnis eines Gedankens, selten seinen Weg. Beim nächsten Termin startest Du deshalb häufig bei null, obwohl Ihr eigentlich schon weiter wart.
Schreiben ändert das. Nicht als Hausaufgabe und nicht als Tagebuch im romantischen Sinn, sondern als gezielte Arbeit an einer konkreten Frage. Was aufgeschrieben ist, bleibt verfügbar.
Wie Du Journaling in den Prozess einbaust
Ein Schreibimpuls wirkt, wenn er eng gefasst ist. Eine offene Einladung zum Schreiben führt meist zu nichts. So lässt sich das aufbauen.
- Eine Frage am Ende der Sitzung. Formuliert gemeinsam eine einzige Frage, die Deine Klientin beschäftigt. Nicht drei, nur eine.
- Einen festen Zeitpunkt. Zehn Minuten an zwei bestimmten Tagen schlagen die Absicht, irgendwann zu schreiben.
- Der Einstieg zur nächsten Sitzung. Lass sie vorlesen, was sie geschrieben hat. Oft hört sie beim Vorlesen selbst, was sie noch nicht wusste.
Wichtig ist, dass Du das Geschriebene nicht bewertest. Es gehört Deiner Klientin, und Du arbeitest nur mit dem, was sie von sich aus teilt.
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Drei Impulse brauchen kein weiteres Material.
- Der ungeschriebene Brief. „Schreib der Person, um die es geht, einen Brief, den Du nie abschickst.“ Nimmt den Druck raus und bringt die ehrliche Version zutage.
- Die Woche in drei Sätzen. Ein Satz zu dem, was leicht war, einer zu dem, was schwer war, einer zu dem, was überrascht hat. Kurz genug, dass es wirklich passiert.
- Der Dialog mit dem Einwand. Deine Klientin schreibt ihren inneren Widerspruch als zweite Stimme auf und antwortet ihm schriftlich. Reflexion wird dadurch hörbar statt diffus.
In der Moderation von Gruppen funktioniert das ebenfalls. Lass alle fünf Minuten still schreiben, bevor die Diskussion startet, und die stillen Stimmen kommen mit.
Journaling für Dich selbst
Die zweite Richtung wird gern übersehen. Welche Sitzung hat Dich diese Woche beschäftigt? Wo bist Du ausgewichen? Welche Frage hast Du nicht gestellt, obwohl sie Dir auf der Zunge lag?
Über die eigene Rolle nachzudenken gehört zur Berufspraxis. Schriftlich fällt diese Reflexion ehrlicher aus, weil ein halbfertiger Gedanke im Kopf durchgeht, auf dem Papier aber nicht.
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Geschrieben hat es Ingrid Hamburg, Psychologin und ontologische Coachin mit über zwanzig Jahren Erfahrung in Argentinien, Chile, Kolumbien, Venezuela und Indonesien. Das merkt man den Fragen an, sie sind konkret statt allgemein.
Wann hast Du zuletzt selbst geschrieben?
Denk an die Sitzung dieser Woche, die Dich am meisten beschäftigt hat. Was würdest Du aufschreiben, wenn Du jetzt zehn Minuten hättest? Und was hält Dich davon ab?