MITARBEITER IN PSYCHOLOGISCHER NOT: COACHING ODER THERAPIE?

psychologischer Not

Immer mehr Menschen fühlen sich in psychologischer Not

Die Corona-Krise, sowie auch die neue Arbeitsorganisationen, können hierzu beitragen. Der Zweifel, ob Homeoffice mehr Flexibilität oder mehr Burnout mit sich bringt, steht heute zur Debatte. Zusätzlich zu dem allgemeinen Arbeitsstress besteht die neue Herausforderung nun darin, Kinder zu versorgen, Essen zu kochen und sich gleichzeitig um die Arbeit zu kümmern. Tatsache ist, dass die Zahlen psychologischer Not am Arbeitsplatz, bis hin zum folgeschweren Burnout, weiter ansteigen.

Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklung, mit ihren menschlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen, stellt sich die Frage: Hat die Therapie ihren Platz im Unternehmen?

Psychotherapie ist ein persönlicher Ansatz

Was eine Therapie auszeichnet, liegt weder in den verwendeten Techniken (die von Praxis zu Praxis sehr unterschiedlich sind) noch im Rahmen des therapeutischen Prozesses selbst. Eine Psychotherapie ist in erster Linie ein persönlicher Prozess. Sie ermöglicht den Patienten, aus dem gewohnten Lebensumfeld herauszutreten, um die psychologischen Ursachen des Leidens zu untersuchen. Dadurch können sie Wege finden, ihr Wohlbefinden zu verbessern. Psychotherapie ist also ein Heilprozess, bei dem die Patienten die volle Verantwortung tragen und für den der Pflegevertrag zwischen Therapeut und Patient der Schlüssel ist. In dieser Beziehung gibt es keinen Platz für einen Dritten, der das Unternehmen wäre. Das Unternehmen kann jedoch an die Arbeitsmedizin, einen Sozialarbeiter, einen Ansprechpartner oder einen Arbeitspsychologen verweisen oder ein Coaching empfehlen.

Unternehmens-Coaching berührt die zwischenmenschlichen Beziehungen in einem beruflichen Rahmen

Aber ist Coaching dann nicht eine verkappte Therapie? Im Gegensatz zur Psychotherapie wird Coaching im Rahmen eines Dreiparteienvertrags durchgeführt, der den Arbeitgeber, den Coachee und den Coach verpflichtet. Die Ziele des Prozesses werden besprochen und der Prozess findet in einer begrenzten und vordefinierten Anzahl von Sitzungen statt. Und das, obwohl der Coach der beruflichen Schweigepflicht unterliegt. Wenn der Kontext das Unternehmen ist, kann das Coaching zur Entwicklung von Soft Skills wie Selbstvertrauen, Stressbewältigung, Selbstbehauptung, Kommunikation usw. führen. Diese Entwicklung kann sicherlich das psychologische Befinden verbessern.

Wie coacht man Mitarbeiter in psychologischer Not?

Zunächst muss man das berufliche Umfeld gut verstehen und helfen, Abstand zu gewinnen. Mitarbeiter befinden sich schließlich in einem Zwangssystem mit einem Subordinationsverhältnis bezüglich des Arbeitsvertrags. 

Folgende Fragen können Ihren Klienten helfen:

  • Wie fühlen Sie sich derzeit? 
  • Was hat sich verändert?
  • Wer ist außer Ihnen noch betroffen?
  • Welche Unterstützung erhalten Sie von Ihrem Manager?
  • Von Ihrem Team?
  • Von der Personalabteilung?

Wenn Ihr(e) Klient(in) nicht der/die einzige ist, der/die leidet, wird sich der Blick mehr auf das Ökosystem und das Management, die jüngsten kulturellen Veränderungen, die Arbeitsbelastung oder die Organisation des Teams richten, um zu erkennen, wo die Quellen des Leidens liegen könnten.

Wenn er/sie allein in Schwierigkeiten ist, werden Sie erkunden, wie die Person ihre Arbeit und die Beziehungen am Arbeitsplatz erlebt. Häufig ist das Gefühl, nicht kompetent zu sein, eine große Stressquelle, die durch Homeoffice noch verstärkt werden kann… Wenn Sie ihn/sie nach dem Selbstvertrauen fragen, kann sich ein Bedarf an Fortbildung oder engerer Begleitung durch den Manager oder das Unternehmen ergeben. Ein schlechtes Beziehungsklima kann sensible Personen so stark belasten, dass sie dauerhaft geschwächt werden.

Um einen guten Rahmen für Ihre Intervention im Unternehmen zu schaffen, sollten Sie darauf achten, dass das Dreiparteiengespräch eingehalten wird, in dessen Verlauf der Manager oder die Personalabteilung die Ziele, an denen gearbeitet werden soll, die Messkriterien und die Akzeptanz (oder Nichtakzeptanz) durch den Mitarbeiter zum Ausdruck bringen.

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